Der SET-Plan – ein Eckpfeiler der EU-Energiepolitik

Der Strategische Energietechnologieplan (Strategic Energy Technology Plan, SET-Plan) wurde 2007 ins Leben gerufen, um den Übergang zu einem klimaneutralen Energiesystem in ganz Europa zu erleichtern. Seit 2015 gibt er Leitlinien für die Energieforschungs- und Innovationsförderung in der EU vor.

Der Strategische Energietechnologieplan (SET-Plan) ist eine Plattform, die darauf abzielt, die Entwicklung, Produktion und Markteinführung sauberer, widerstandsfähiger und wettbewerbsfähiger Energietechnologien in Europa zu beschleunigen.

Der SET-Plan stimmt nationale Forschungs- und Innovationsprogramme auf die Ziele der EU-Politik für saubere Energie ab und konzentriert sich dabei auf strategische Autonomie, Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung. Durch die Verbesserung neuer Technologien und die Senkung ihrer Kosten mittels koordinierter, nationaler Forschungsanstrengungen fördert der SET-Plan die Zusammenarbeit zwischen EU-Ländern, der Industrie und Forschungseinrichtungen.  

Nach der Einführung der Energieunion im Jahr 2015 unter der Präsidentschaft von Jean-Claude Juncker (2014–2019) wurde der SET-Plan in die fünfte Säule der Energieunion (Forschung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit) integriert, die sich an sechs Prioritäten im Bereich Forschung und Innovation (F&I) orientiert. Der SET-Plan hat diese Prioritäten in zehn „Key Actionsfür Forschung und Innovation umgesetzt.

Diese zehn Maßnahmen decken die gesamte Innovationskette ab, von der Forschung bis zur Markteinführung, und werden von 15 Umsetzungsarbeitsgruppen (Implementation Working Groups, IWGs) umgesetzt, die sich jeweils auf eine Schlüsseltechnologie konzentrieren.

 

SET-Plan Priorities und Implementation Working Groups (IWGs)

  * Energy Union (Junker Kommission , 2014-2019)     ** ohne Deutschland

Governance des SET-Plans

Der SET-Plan ist das zentrale Instrument für den Dialog mit den Mitgliedstaaten, der Industrie und den Interessengruppen über die F&I-Politik und -Programme für saubere Energie. Da sich das politische Umfeld rasch verändert, muss auch der SET-Plan entsprechend angepasst werden.

Jüngste politische Entwicklungen auf EU- und globaler Ebene haben die Notwendigkeit unterstrichen, die Widerstandsfähigkeit, Autonomie und Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Energiesystems und seiner Lieferketten zu stärken. Unter Berücksichtigung dieser Entwicklungen, die entsprechende Änderungen in den nationalen und europäischen F&I-Agenden für kohlenstoffarme Energielösungen ausgelöst haben, und im Anschluss an einen umfassenden Konsultationsprozess veröffentlichte die Kommission am 20. Oktober 2023 eine Mitteilung zur Überarbeitung des SET-Plans. Die Überarbeitung, die erste seit 2015, zielte darauf ab, die ursprünglichen strategischen Ziele des SET-Plans an die wesentlichen europäischen politischen Initiativen anzupassen. Dazu zählen der European Green Deal , der die Klimaneutralität Europas bis 2050 anstrebt, der REPowerEU-Plan, der die EU-weite Reduzierung der Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen zum Ziel hat, sowie dem Green Deal Industrial Plan, der die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Netto-Null-Industrie in den Mittelpunkt stellt. Die entscheidenden Elemente dabei sind der Net-Zero Industry Act und der Critical Raw Material Act sind.

Seit 2024 hat der SET-Plan an Bedeutung gewonnen und wurde im Net Zero Industry Act (NZIA) gesetzlich verankert, wobei eine neue hochrangige formelle Lenkungsgruppe (Steering Group, SG) eingerichtet wurde. Anfang November 2025 verabschiedete die Lenkungsgruppe einen neuen und ehrgeizigeren SET Plan Governance.

Die neue SET-Plan Governance führt einen neuartigen Ansatz ein: die Entwicklung gemeinsamer Umsetzungs- und Investitionspläne („Common Implementation and Investment Plans“, CIIPs) für jede Technologie. Die CIIPs werden von der SET-Plan-Gemeinschaft erstellt und sollen die Synergien zwischen den EU-Ländern, der Industrie und den Akteuren der Energieforschung weiter verstärken. Die CIIPs werden gemeinsame europäische Visionen der Ziele und Meilensteine in einem bestimmten Energiebereich („thematic Visions“) sowie die damit verbundenen strategischen Forschungs- und Innovationsagenden („Strategic Research and Innovation Agendas“, SRIAs) festlegen. Sie werden zudem konkrete Umsetzungs- und Investitionsverpflichtungen („Implementation and Investment Commitments“, IICs) der EU-Länder in Bezug auf öffentliche Mittel und private Investitionen enthalten, die darauf abzielen, die thematische Visionen für jede strategische Energietechnologie zu verwirklichen.

Das Governance-Dokument beschreibt detailliert die Gremien des überarbeiteten SET-Plans und deren Zuständigkeiten. Diese lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Lenkungsgruppe (Steering Group, SG). Die SG ist das höchste Entscheidungsgremium des SET-Plans. Sie setzt sich aus hochrangigen Vertreter/innen und Sherpas der Mitgliedstaaten – die dementsprechend in zwei verschiedenen Zusammensetzungen tagen können – sowie aus als Beobachter/innen eingeladenen Delegierten aus EWR-Ländern zusammen und wird von der Europäischen Kommission geleitet. Die Lenkungsgruppe ist dafür zuständig, die IWGs mit der Ausarbeitung konkreter Ergebnisse zu beauftragen und deren thematische Visionen in eine gemeinsame strategische Vision(„Common Strategic Vision, CSV) für den SET-Plan zu integrieren.
  • Umsetzungsarbeitsgruppen (Implementation Working Groups, IWGs). Die IWGs sind Kooperationsgremien im Rahmen des SET-Plans, die von der Lenkungsgruppe damit beauftragt sind, die Koordinierung und Abstimmung nationaler Forschungs- und Innovationsagenden sowie Förderprogramme in bestimmten Bereichen der sauberen Energietechnologie zu unterstützen und zu erleichtern. Sie setzen sich aus Vertreter/innen der Mitgliedstaaten, der EWR-Länder und der Europäischen Kommission zusammen und sind dafür zuständig, im Rahmen ihrer thematischen Visionen Forschungs- und Innovationsziele (F&I) festzulegen sowie die gemeinsamen Umsetzungs- und Investitionspläne (CIIPs) für ihre Technologiebereiche zu entwickeln – im Auftrag der Lenkungsgruppe und in enger Zusammenarbeit mit den Interessengruppen.
  • Europäische Technologie- und Innovationsplattformen (European Technology and Innovation Platforms, ETIPs). Die ETIPs setzen sich hauptsächlich aus Vertreter/innen der Industrie und von Forschungseinrichtungen zusammen und fungieren als aktive Beratungsgremien im Rahmen des SET-Plans. Sie sind dafür zuständig, die SRIAs unter der Leitung der IWGs und in Übereinstimmung mit den in den jeweiligen thematischen Visionen festgelegten Prioritäten und Zielen zu entwickeln und zu aktualisieren.
  • Europäische Energieforschungsallianz (European Energy Research Alliance , EERA). Die EERA ist ein mitgliederbasierter, gemeinnütziger Verband, der die größte Forschergemeinschaft im Bereich der sauberen Energie in Europa vertritt und über 250 Organisationen aus 31 Ländern umfasst. Im Rahmen des SET-Plans arbeitet die EERA bei der Entwicklung der SRIAs mit den ETIPs und den IWGs zusammen.
  • Arbeitsgruppen (Task Forces, TF): Die TFs sind fünf zeitlich befristete Gremien, die im Anschluss an die Mitteilung zur Überarbeitung des SET-Plans eingerichtet wurden, um die Arbeit der IWGs und der ETIPs zu unterstützen. Jede TF besteht aus Vertreter/innen der Interessengruppen des SET-Plans (das heißt aus einer bestimmten ETIP oder IWG oder aus der EERA), Vertreter/innen der Europäischen Kommission, einem TF-Leiter und einem Moderator sowie fünf unabhängigen Experten/innen. Die Task Forces werden zwischen 2025 und 2027 tätig sein und der SET-Plan-Gemeinschaft Empfehlungen vorlegen, wie sich wichtige übergreifende Themen besser in ihre Arbeit integrieren lassen, zum Beispiel in den Bereichen Qualifikationen, F&I für gesellschaftliche Bedürfnisse, Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft und Materialersatz sowie Marktzugang.

Die Erfolge und Entwicklungen des SET-Plans, einschließlich eines Überblicks über die F&I-Investitionen in den verschiedenen Technologiebereichen, werden von den Akteuren des SET-Plans überwacht und in den jährlichen SET-Plan-Fortschrittsberichten dargestellt. Diese Berichte werden auf der SET-Plan-Konferenz veröffentlicht, die jährlich gemeinsam von der Europäischen Kommission und der EU-Ratspräsidentschaft organisiert wird. Alle Berichte sowie aktuelle Informationen zu den Aktivitäten und das Governance-Dokument werden auf der frei zugänglichen Informations- und Verbreitungsplattform SETIS (SET-Plan-Informationssystem) veröffentlicht.

Die für den SET-Plan relevanten Themen werden im Rahmen verschiedener Forschungs- und Innovationsprogramme gefördert und finanziert, wobei Horizone Europe Cluster 5 (Klima, Energie und Mobilität), dabei eine wichtige Rolle spielt.

Der SET-Plan wird zudem durch eine Vielzahl von europäischen Partnerschaften im Zusammenhang mit Cluster 5 unterstützt, an denen EU-Institutionen, Mitgliedstaaten sowie Industrie- und Forschungsorganisationen beteiligt sind, allen voran die kofinanzierte Partnerschaft „Clean Energy Transition“ (CETPartnership). Weitere relevante Partnerschaften in diesem Kontext sind die ebenfalls kofinanzierte „Driving Urban Transitions“ Partnerschaft  (DUT), das institutionalisierte „Clean HydrogenJoint Undertaking sowie die koprogrammierten europäischen Partnerschaften für eine industrielle Batterie-Wertschöpfungskette (Batt4EU), für eine menschenzentrierte, nachhaltige bebaute Umwelt (Built4People) und für Solarphotovoltaik (EUPI-PV).

Nützliche Links:

 

Ihre Ansprechpartnerin: Dr. Marina Maicu |