EU-Missionen: Neue Wege zu konkreten Lösungen

Das Instrument der Missionen stellt ein Novum im Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont Europa dar. Mit ihnen sollen konkrete Lösungen für einige der größten Herausforderungen der Menschheit gefunden und in die Anwendung gebracht werden. Die Rolle von Forschung und Innovation soll dabei neu gedacht und mit neuen Formen der Verwaltung und der Zusammenarbeit kombiniert werden. Unter Horizont Europa stehen zunächst fünf Missionen im Fokus.

Kompass mit goldener Nadel zeigt auf das Wort Missionen
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Die Europäische Kommission hat mit dem neuen Rahmenprogramm für Forschung und Innovation ein neues, europaweites Instrument eingeführt: die europäischen Missionen. Mit diesem Instrument sollen die großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit adressiert werden. Missionen definieren ein ehrgeiziges - aber durchaus erreichbares - Ziel, welches bis 2030 realisiert werden soll.

Jede Mission umfasst ein ganzes Maßnahmenpaket und verzahnt verschiedene Aktionsebenen. Zum Portfolio der Aktionen gehören Forschungsprojekte, politische Maßnahmen oder sogar Gesetzesinitiativen. Ein neues Rollenverständnis für Forschung und Innovation soll dabei ebenso etabliert werden wie die starke Bürgerbeteiligung und neue Formen von Zusammenarbeit und Verwaltung. Die interdisziplinäre und sektorübergreifende Zusammenarbeit wird daher ein zentrales Element bei allen Missionen sein.

Die Europäische Kommission hat im September 2021 den Startschuss für fünf Missionen gegeben. Sie behandeln die Themengebiete (1) Klimawandel, (2) Städte, (3) Ozeane und Gewässer, (4) Boden und (5) Krebs.

In Horizont Europa gibt es einen eigenen Missionsteil zum Arbeitsprogramm. Hier finden Sie konkrete Ausschreibungsthemen zu den fünf Missionen und zum Neuen Europäischen Bauhaus. Letzteres begleitet die Implementierung der Missionen unter dem Blickwinkel Nachhaltigkeit, Inklusion und Ästhetik. Mit einem vorbereitenden Arbeitsprogramm 2021 zu den Missionen werden bereits jetzt erste Projekte gefördert, welche die Grundlagen zur Implementierung der Missionen legen.

Für Cluster 5 sind insbesondere die Mission „Adaptation to climate change“ und „100 Climate-neutral and smart cities“ von Bedeutung.

Die fünf Missionen

Die Mission „Adaptation to Climate Change: support at least 150 European regions and communities to become climate resilient by 2030“ verfolgt die großen übergeordneten Ziele, „Europa bis 2030 auf die Bewältigung des Klimawandels vorzubereiten“ und „innovative Lösungen für gesellschaftliche Veränderungen bereitzustellen“. Intelligente und systemische Transformationen sollen auf gerechte und faire Weise beschleunigt werden. Die Mission setzt dabei auf gegenseitiges Lernen und die Übertragbarkeit von Lösungen.

Für die Erreichung dieser übergeordneten Ziele sind drei aufeinander aufbauende Unterziele wesentlich:

  • Ziel 1: Smarte Anpassung
    Die Mission will die Datenlage zu Klimarisiken und Anpassungsmöglichkeiten konkret auf regionaler Ebene verbessern. Regionen und Gemeinden innerhalb Europas sollen in die Lage versetzt werden, ihre speziellen Klimarisiken besser zu verstehen und erste Ideen über geeignete Maßnahmen zur Bewältigung ihres Klimarisikos zu entwickeln.
  • Ziel 2: Systemische Anpassung
    Auf das 1. Teilziel aufbauend sollen mindestens 150 europäischen Regionen und Gemeinden, die bereits eine Vision von einer klimaresistenten Zukunft haben, konkret bei der Entwicklung geeigneter Klimaanpassungsstrategien und deren Umsetzung unterstützt werden.
  • Ziel 3: Schnelle Anpassung
    Um die Machbarkeit und Übertragbarkeit von Lösungen aufzuzeigen, sollen über die Mission bis 2030 mindestens 75 Demonstrationsprojekte auf regionaler und überregionaler Ebene gefördert werden. Der Fokus liegt hier auf dem Einsatz innovativer Lösungen für die Klimaresilienz in großem Maßstab. Die Europäische Kommission will damit den notwendigen, tiefgreifenden systemischen Wandel maßgeblich beschleunigen.

Was bietet die Mission im Bereich Forschung und Innovation?
Über Horizont Europa finden Sie im Arbeitsprogramm der Missionen thematische Förderaufrufe für Forschungs- und Innovationsprojekte. Flankierende und die Mission unterstützende Förderaufrufe gibt es zusätzlich in den Arbeitsprogrammen der Cluster, insbesondere Cluster 5, aber auch Cluster 4 und Cluster 6. Für alle Ausschreibungen gilt, dass sich Konsortien aus Wissenschaft, Unternehmen, Industrie, öffentlichen Einrichtungen und Behörden mit ihren Ideen zur Anpassung an den Klimawandel um Fördermittel bewerben können. Das aktuelle Arbeitsprogramm dazu finden Sie im Funding und Tenders Portal der Europäischen Kommission.

Welche Beteiligungsmöglichkeiten gibt es explizit für Regionen und Gemeinden?

Regionen und Gemeinden kommt in der Klimamission eine besondere Bedeutung zu. Sie stehen im Zentrum der systemischen Transformation hin zur Klimaresilienz: von und mit ihnen müssen die innovativen Lösungen entwickelt und umgesetzt werden. Regionen können sich auf verschiedene Weise an der Klimamission beteiligen:

  • als Unterzeichnende der Mission Charter
  • als Zuwendungsempfänger eines Cascading Grants
  • als Partner in bzw. als Pilotregion in geförderten Konsortialprojekten

Über die Mission Charter können Sie sich als Region oder Gemeinden ausdrücklich in die Klimamission einbringen ohne sich direkt für Aktivitäten zu verpflichten. Mit dem Ausfüllen der mit der Charter verbundenen Survey haben Sie die Möglichkeit, Ihre Bedarfe und besonderen Herausforderungen mit Blick auf die Anpassung an den Klimawandel zu äußern und gleichzeitig Ihr Interesse an der Mission zu bekunden. Mit der Unterschrift unter die Charter werden Sie automatisch Teil eines Netzwerks zur Anpassung an den Klimawandel (Community of Practice) und bekommen Zugang zu allen Diensten und Informationen der Mission Implementation Platform. Die Unterzeichnung der Charter ist ein offener Prozess, der jederzeit gestartet werden kann und allen europäischen Regionen und Gemeinden offensteht. Detaillierte Informationen finden Sie auf den Seiten der EU-Kommission.

Cascading Grants:
Einige Projekte, die über die Klimamission gefördert werden, haben zur Aufgabe, ihre Lösungen während der Projektlaufzeit vor Ort zu testen. Dafür stehen in den Projekten Fördermittel für die Weiterleitung an Testregionen zur Verfügung (Cascading Grants). Die Projekte müssen also ihrerseits Förderaufrufe veröffentlichen. Diese Cascading Grants sind insbesondere für Regionen und Gemeinden interessant. Sobald die Förderentscheidung gefallen ist, lohnt es sich daher, die Projekte der Topics HORIZON-MISS-2021-CLIMA-02-01, HORIZON-MISS-2021-CLIMA-02-02 und HORIZON-MISS-2022-OCEANCLIMA-01-01 im Blick zu behalten. Informationen zu diesen Projekten und deren Förderaufrufe werden Sie ebenfalls auf der NKS KEM Webseite und über den NKS KEM Newsletter finden.

Mission Implementation Platform
Die Umsetzung und Überwachung der Klimamission wird über eine „Mission Implementation Platform (MIP)“ erfolgen, die 2023 an den Start gehen soll. Die Plattform soll zum einen vorhandenes Wissen und Daten sammeln und bereitstellen und zum anderen alle an der Mission beteiligten Akteure bei ihren Aufgaben unterstützen und die Vernetzung zwischen den Akteuren untereinander und mit der Europäischen Kommission erleichtern.

Wer berät Sie?
Die Missionen ordnen sich aufgrund ihrer thematischen Schwerpunkte den Clustern in der Programmsäule II von Horizont Europa zu. Die Klima-Mission wird dem Cluster 5 zugeordnet. Zum Arbeitsprogramm der Klima-Mission in Horizont Europa berät die NKS KEM. Ihre Ansprechpartnerinnen sind:

Gertrud Frankenreiter |
Maike Heidelberger | m.heidelberger@fz-juelich.de
Antje Knepper | a.knepper@fz-juelich.de

Wo finden Sie weiterführende Informationen?
Website der EU-Kommission zur Mission Klimaanpassung

Implementierungsplan der Mission Klimaanpassung

FAQs zur Mission Klima

Deutsches Portal zu Horizont Europa

Informationen zu aktuellen Ausschreibungen und Beteiligungsmöglichkeiten
Arbeitsprogramm der Missionen in Horizont Europa

Kurzinformation zur Mission Charter

Die Mission „100 Climate-Neutral and Smart Cities by 2030“ setzt den Fokus auf eine systemische Transformation von europäischen Städten. Dazu stehen zwei zentrale Ziele im Vordergrund:

  • Ziel 1: 100 klimaneutrale und intelligente europäische Städte
    Bis 2030 sollen mindestens 100 klimaneutrale und intelligente europäische Städte geschaffen werden.
  • Ziel 2: Klimaneutralität für alle europäischen Städte
    Die über die Mission geförderten Städte fungieren als Experimentier- und Innovationszentren; die bis 2050 über ihre Konzepte und Lösungen alle europäischen Städte in die Lage versetzen sollen, klimaneutral zu werden.

Welche Städte unterstützen Ziel 1 der Städtemission?
Städte aus allen EU-Mitgliedsländern sowie den zu Horizont Europa assoziierten Staaten konnten sich im ersten Schritt als Pilotstadt bewerben. Aus fast 400 Bewerbungen wurden 100 EU-Städte sowie 12 Städte aus assoziierten Staaten ausgewählt. Mit Aachen, Dortmund, Dresden, Frankfurt a.M, Heidelberg, Leipzig, Mannheim, München und Münster gehören auch 9 deutsche Pilotstädte dazu.

Diese Städte sind nun Teil der Mission. Sie haben sich das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden. Als Missions-Stadt sind sie ein Mitglied des Netzwerks und erhalten gezielte Beratung und Unterstützung durch NetZeroCities, einem aus dem Green Deal Call unter Horizont 2020 geförderten Projekt. NetZeroCities unterstützt die Europäische Kommission bei der Umsetzung der Städtemission. Eine der Aufgaben von NetZeroCities wird sein, eine zentrale Missionsplattform aufzubauen. Über diese Plattform wird u.a. ein gezielter Informationsaustausch und Networking möglich sein. Das gilt aktuell auch für die Erarbeitung der Climate City Contracts: Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Forschungseinrichtungen und dem Privatsektor entwickelt jede Missions-Stadt einen Gesamtplan, wie sie in ihrer Stadt Klimaneutralität in allen Sektoren erreichen will, inklusive entsprechender Investitionspläne.

Welche weiteren Möglichkeiten zur Beteiligung gibt es für Städte und andere Akteure?
Parallel wird das Maßnahmenpaket der Städtemission durch Ausschreibungen über das Arbeitsprogramm der Missionen in Horizont Europa ergänzt. Ziel ist es, über die hier ausgeschriebenen Forschungs- und Innovationsmaßnahmen die Implementierung der Mission maßgeblich zu unterstützen. Die Beteiligung an diesen Ausschreibungen ist allen Städten und Kommunen aus den EU-Mitgliedsländern und den assoziierten Staaten möglich, auch denen, die nicht zu den 100 + 12 ausgewählten Städten zählen.

Das Projekt NetZeroCities unterstützt nicht nur die ausgewählten Städte. Neue und bestehende Instrumente, Ressourcen und Fachkenntnisse werden entwickelt und künftig auf der zentralen Missionenplattform zusammengefasst, auf die alle Städten über ein Online-Portal Zugang bekommen sollen. Darüber hinaus wird NetZeroCities eine Reihe von Pilotprojekten unterstützen und ein Partnerschaftsprogramm zum Peer-Learning anbieten. Ziel ist ein rascher Lerneffekt bei der Erreichung von Klimaneutralität auf Stadtebene. Für die Auswahl der Pilotstädte wird NetZeroCities einen „Call for Pilot Cities lancieren. Informationen dazu finden Sie über die Webseite von NetZeroCities. Die Ausschreibungen von NetZeroCities richten sich ebenfalls an alle Städte und Kommunen in den EU-Mitgliedsländern sowie den zu Horizont Europa assoziierten Staaten.

Wer berät Sie?
Die Missionen ordnen sich aufgrund ihrer thematischen Schwerpunkte den Clustern in Programmsäule II von Horizont Europa zu. Diese Mission wird dem Cluster 5 zugeordnet. Zum Arbeitsprogramm der Städte-Mission in Horizont Europa berät die NKS KEM. Ihre Ansprechpartnerinnen sind:

Aus dem Bereich Klima:
Evelyn Echeverria |
Elisabeth Osinski | e.osinski@fz-juelich.de

Aus dem Bereich Energie:
Laura Müller | l.mueller@fz-juelich.de
Priska Sonntag |

Aus dem Bereich Mobilität:
David Doerr |

Wo finden Sie weiterführende Informationen?
Website der Europäischen Kommission zur Mission Städte
Implementierungsplan der Mission Städte
FAQs zur Mission Städte
NetZeroCities
Deutsches Portal zu Horizont Europa

Informationen zu aktuellen Ausschreibungen
Arbeitsprogramm der Missionen in Horizont Europa

Die Mission „Restore our Ocean and Waters by 2030“ setzt sich gesunde Ozeane, Meere, Küsten- und Binnengewässer zum Ziel. Wesentliche Güter und Dienstleistungen, die Meeres- und Süßgewässer bereitstellen, sollen nachhaltig nutzbar bleiben. Dazu ist bis 2030 eine systematische Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und Lebensräume, die Befreiung von Müll und Lärmbelastung und die Dekarbonisierung der „Blue Economy“ geplant.

Wer berät Sie?
Die Missionen ordnen sich aufgrund ihrer thematischen Schwerpunkte den Clustern in Programmsäule II von Horizont Europa zu. Diese Mission ist dem Cluster 6 zugeordnet. Zu Ausschreibungen im Arbeitsprogramm dieser Mission unter Horizont Europa berät die NKS Bioökonomie und Umwelt.

Wo finden Sie weiterführende Informationen?
Website der NKS Bioökonomie und Umwelt zum Thema Missionen
Website der EU-Kommission zur Mission Ozeane und Gewässer
Arbeitsprogramm der Missionen in Horizont Europa
Deutsches Portal zu Horizont Europa

Die Mission „A Soil Deal for Europe: 100 living labs and lighthouses to lead the transition towards healthy soils by 2030“ stellt Bodengesundheit und Ernährung in den Vordergrund. Als Hauptziel sollen 100 Living Labs und Leuchttürme den Übergang zu gesunden Böden ermöglichen und so (wieder) wesentliche Ökosystemdienstleistungen für den Menschen gewährleisten. Das Ziel sind gesunde Lebensmittel, Menschen, Natur und Klima.

Wer berät Sie?

Die Missionen ordnen sich aufgrund ihrer thematischen Schwerpunkte den Clustern in Programmsäule zwei von Horizont Europa zu. Diese Mission wird dem Cluster 6 zugeordnet. Zum Arbeitsprogramm dieser Mission in Horizont Europa berät die NKS Bioökonomie und Umwelt.

Wo finden Sie weiterführende Informationen?
Website der NKS Bioökonomie und Umwelt zum Thema Missionen
Website der EU-Kommission zur Mission Boden
Arbeitsprogramm der Missionen in Horizont Europa
Deutsches Portal zu Horizont Europa

Die europäische Krebsforschung besser zu bündeln und zu einem umfassenden Verständnis von Krebs zu kommen steht auf der Agenda der Mission „Cancer: working with Europe's Beating Cancer Plan to improve the lives of more than 3 million people by 2030 through prevention, cure and solutions to live longer and better“.  Der englische Titel gibt bereits Aufschluss über die Kernziele der Mission. Indem (neue) Wege für Prävention, Diagnose und Heilung verbessert bzw. neu erforscht werden, sollen bis 2030 mehr als 3 Millionen Leben gerettet werden. Die Lebensqualität und Lebensdauer aller krebsgefährdeten Menschen soll signifikant steigen. Einen wesentlichen Punkt stellt auch der gerechte Zugang zur Krebsbehandlung in ganz Europa dar.

Wer berät Sie?
Die Missionen ordnen sich aufgrund ihrer thematischen Schwerpunkte den Clustern in Programmsäule zwei von Horizont Europa zu. Diese Mission wird dem Cluster 1 zugeordnet. Zum Arbeitsprogramm dieser Mission in Horizont Europa berät die NKS Gesundheit.
 
Wo finden Sie weiterführende Informationen?
Website der NKS Gesundheit zur Krebs-Mission
Website der EU-Kommission zur Mission Krebs
Arbeitsprogramm der Missionen in Horizont Europa
Deutsches Portal zu Horizont Europa